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CHULM ANNO DOMINI 1349 - das Jahr der Pest

 

Der zweite Band der Kulm Trilogie spielt im Mittelalter rund um den Kulm. Erhältlich bei BoD, thalia.at, amazon, über den Buchhandel oder bei mir.

ISBN 9783741281471

 

Die Köchin Martha hat auf der Burg ein gutes Leben. Sie muss niemals Hunger leiden und die Narben der Vergangenheit sind zwar nicht verschwunden, schmerzen aber nicht, solange sie nicht daran rührt. Doch der große Sturm ihres Zeitalters weht durch das Burgtor und wirbelt Martha aus ihrer gewohnten Umgebung. Rund um sie herrschen Chaos und Wahnsinn im Windschatten der Pest. Das Einzige, was zählt, ist überleben.

Kapitelleistengrafik ebenso wie Buchcover von meiner FotoGrafikfreundin Veronika Tanton

 

REZENSIONEN

 

Ich habe selten ein Buch in die Finger bekommen, das einen schon auf den ersten Seiten so dermaßen mitreißt und emotional so einfährt! (...und ich lese nicht wenig...) Wow. Die Geschichte wird erfrischend kitsch-frei erzählt, bisweilen saftig derb, erotisch, hart und herzlich. Mittelalter eben - aber ohne edle Recken auf weißen Rössern und holde Maiden. Nicht verpassen. (amazon)

 

Meine herzlichen Gratulationen zu Deinem Chulm 1349 Buch!  Es war mir ein richtiges Vergnuegen es zu lesen (und gleichzeitig zu wissen, dass das Leben heutzutage viel  leichter und besser ist - besonders wenn man in einem halbwegs friedlichen Land lebt wo auch die aergsten Krankheiten und Seuchen  in Schach   gehalten werden koennen). Deine Beschreibungen des Lebens im Mittelalter waren ausgezeichnet und  sehr interessant und  sehr augenoeffnend denn vieles war fuer mich totales Neuland. Und so habe ich sehr genossen, dass Du vieles in grossen Detail beschrieben hast - wie unter anderem  die verschiedenen Kraeuter und deren Verwendung, die Kleidung der damaligen Zeit (z.B. die schmalen hoelzernen Sohlen , die sich die Frauen bei Schlechtwetter unter ihre seidenen Schuehchen banden), die Waffen, Kochutensilien, und so vielem anderen  das im taeglichen Leben eine Rolle spielte.  Nicht zuletzt natuerlich den grossen Unterschied zwischen den adeligen Burgbesitzern und den Leibeigenen, also den upstairs, downstairs Rang und Stand. Dass man besonders als Frau so gar nicht gut dran war wenn man zu den niedrigeren Staenden gehoerte und so absolut keine eigenen Rechte hatte, kam auch gut zum Ausdruck.  Gott sei Dank hatte Deine Martha trotz vieler Niederlagen , eine nicht zu unterdrueckende positive Lebenseinstellung  und grosse seelische Staerke und gesunde Uerberlebensinstinkte. So gut mir Dein Culm 27 v. Chr. Buch  gefallen hat, muss ich sagen, dass mich  Chulm 1349 noch viel mehr begeistert hat. Ich fand auch den Prolog faszinierend - wette, dass niemand das Buch beiseite gelegt hat bevor dieses Kapitel beendet war. Wirklich eine grossartige Beschreibung, die jedem Leser durch Haut und Bein gegangen sein muss. Es ist Dir auch sehr gut gelungen , Spannung durch das ganze Buch beizubehalten und man war immer neugierig was auf der naechsten Seite steht. Schade,  dass ich niemanden in Hollywood kenne - ich glaube diese Deine Lektuere waere sehr gut verfilmbar. Vor meinem geistigen Auge haette ich schon einige Schauspieler fuer die diversen Personen...
Nochmals meine tiefste Bewunderung fuer die gute Arbeit , die Du da geleistet hast. (per Email aus den USA, wo mein Buch auch erhältlich ist)

 

Figurenskizzen, Bilder der "alten Burg", wie sie heute noch besteht und von der Feistritz zum Pallas hinauf

 

LESEPROBE

 

Sie musste wohl eingeschlafen sein. Das Nächste, das in ihr Bewusstsein drang, war Musik. Bestimmt träumte sie. Woher sollte mitten im Wald Flötenmusik kommen? Die Klänge kamen immer näher, verstummten. Ach, sie wollte nicht die Augen öffnen, lieber weiter von der schönen Musik träumen. Doch die Flöte blieb stumm. Stattdessen vernahm sie ein Schmatzen, als bediene sich jemand an ihrer Suppe. Martha riss die Augen auf. Da hockte ein Mann vor ihr, beugte sich über die Schüssel neben dem Feuer und schlürfte von ihrer Fischbrühe.

He!“ Martha setzte sich wütend auf.

Der schlaksige Kerl fuhr herum. Martha musste sich ein Lachen verkneifen. Sein Überrock war bunt geflickt, wie der eines Gauklers, ein Schuh braun, einer schwarz, beide streckten ihre langen Spitzen fröhlich in die Höhe. Seine schulterlangen Locken kringelten sich in alle Richtungen, und seine blauen Augen waren erschrocken aufgerissen wie die der Forelle, die er gerade verspeiste. Vor dem Bürschlein musste sie sich wahrlich nicht fürchten! Selbst nur in ihrem Hemede konnte das Kerlchen ihr nichts anhaben.

Oh pardon!“ Seine Stimme klang melodisch und rund. ”Ich ‘abe nicht bemerkt, dass Ihr wach seid.“

Ach, und wenn ich schlafe, dann ist es in Ordnung, mir meine Suppe zu stehlen?“

Oh non, ist es nicht. Aber es duftete, oh, es duftete wie das beste Suppe in Marseille. Unwiderstehlich.“ Er lächelte schüchtern, als bäte er um Verzeihung.

Martha warf einen Blick auf Bredelin, der immer noch schlief. ”Nehmt nur. Viel ist es nicht, aber ich kann wieder eine machen.“ Außerhalb der Sicherheit der Burg war es wohl ratsam, sich mit Fremden gut zu stellen

Oh, merci, viele Dank.“ Der Löffel des Gauklers fuhr noch ein paar Mal in die Schüssel, dann stockte er.

Ich vergaß, mich vorzustellen. Jacques, Musicus auf Wanderschaft.“ Er machte eine tiefe Verbeugung, sodass seine Mandoline, die er auf den Rücken gebunden hatte, über seinen Kopf rutschte. Martha grinste.

Also so etwas wie ein Vagant? Wanderst von Hof zu Hof?“

Ja. Gott uns ‘at gegeben Füße für eine unstete Leben. Nicht um zu sitzen auf unsere Popo. Mit unsere Füße wir machen Spuren in die Sand der Zeit. Ich nicht will machen Popospuren in die Sand der Zeit.“

Setz dich doch trotzdem auf deinem Popo zu uns und spiel uns etwas vor. Ich bin Martha, und das ist Bredelin.“

Jacques setzte sich neben das Feuer, die Füße verschränkt. Er warf einen Blick nach links und nach rechts.

Ihr seid ganz alleine? Eine Frau und eine Kind?“

Martha zögerte. Konnte sie ihm vertrauen? Oder war er nur die Vorhut einer Bande, die schon darauf lauerte, sie zu überfallen? Ach was, dazu hätten sie bestens Möglichkeit gehabt, als sie eingeschlafen war. ”Ja. Und du?“

Oh, mal so, mal so. Aber nie alleine.“ Er hob seine Flöte in die Höhe, die er aus seinem Gürtel gezogen hatte.

Was bringt einen Musicus aus – Marsäi hierher? Suchst du einen Herren?"

Aber nein!“ Jacques schüttelte den Kopf, dass seine Locken nur so umherflogen. ”Die ‘erren sterben alle, weißt du nicht? Marseille – oh, die Pest ‘at gewütet. Formidable, eine große Epos! Ich folge die Pest, ich gehe vor ihr, neben ihr, hinter ihr. Die Pest ist meine Muse. Sie schenkt mir die schönste Lieder.“

Martha konnte nicht anders, als einen Blick auf Bredelin zu werfen. Jacques‘ Augen folgten ihr. Er runzelte leicht die Stirne. ”Oh. Ist das die Grund, dass du bist alleine mit ihm?“

Martha nickte. Sie schwiegen. Nach einer Weile hob der Musicus seine Flöte an die Lippen und begann zu spielen. Töne, die sich wie eine warme Umarmung um Martha legten. Die ihr Herz weiteten und all ihr Leid in süße Traurigkeit verwandelten. Bredelin öffnete müde die Augen, blickte, ohne sich zu regen, auf Jacques, lauschte, bis sich ein Lächeln auf seine Lippen zauberte. Da setzte der Musicus sein Instrument ab, lächelte zurück. Wieder schwiegen sie eine Weile. Dann meinte Bredelin mit leiser Stimme: ”Bist du ein Engel?“

Jacques brach in herzhaftes Lachen aus. ”Oh non, mon petit, ich bin gewiss keine Engel. Vielleicht mein Flöte ist, aber ich nicht.“

Das war wunderschön. Danke.“ Martha fühlte sich, als wäre sie aus einem wohligen Traum erwacht.

Der Musicus lächelte auch sie an. ”Wir ‘aben alle unsere Gabe. Du deine Supp, ich mein Musik. Ich spiele jederzeit für dich, wenn ich noch so eine Supp ‘aben kann.“

Martha lachte. ”Du hast wohl auch schon länger nichts zu essen bekommen?“

Ja, das ist die Nachteil von meine Muse. Die einen fürchten sie und lassen mich nicht ‘inein, die andere ‘aben sie und kochen nicht mehr.“ Er zuckte die Schultern. ”Aber die Kunst lebt von Leid, man sagt. Nur so ein Supp … oh, fantastique!“ Er schnalzte mit der Zunge.

Über Bredelins Gesicht huschte ein leichtes Lächeln. Ihm gefiel der schräge Kerl ganz offensichtlich. Martha warf einen Blick auf den Himmel. Sie sollten weitergehen, sonst würde es dunkel werden, ehe sie den Tannengrund erreichten. Doch andererseits – es war schön hier. Wer weiß, was sie in Purch erwartete? Warum nicht die Nacht hier verbringen? Sie waren hier wohl nicht mehr in Gefahr als in der Hütte eines Unbekannten. Vielleicht war das auch naiv und sie würde es bitter bereuen. Aber wenn sie ehrlich war, so wollte sie noch ein wenig länger die Gesellschaft des Musicus genießen.

Wir sollten weiterziehen.“ Sie sagte es mit einem fragenden Blick zu Bredelin. Er nickte schwach. ”Oder wir verbringen die Nacht hier.“ Martha sah zu dem Musicus, der sie ebenfalls anlächelte.

Also, ich bin ‘ier diese Nacht. Dies ist eine schöne Ort, diese Bucht an die Fluss.“ Wieder setzte Jacques seine Flöte an und entlockte ihr die zauberhaftesten Töne. Kein Vergleich zu den wilden und derben Melodien der Spieler auf Georgs Burg. Leise, einem Windhauch gleich, schwebte das Lied durch die Luft. Lächelnd schlief Bredelin ein.

Martha lachte. ”Also bleiben wir wohl auch. Und ich schulde dir noch eine Suppe.“

Der Musicus strahlte sie an.

 

herbstlicher Blick auf den Kulm mit den markanten Kreuzweghäuschen
herbstlicher Blick auf den Kulm mit den markanten Kreuzweghäuschen

GESCHICHTLICHE DETAILS

 

In den 1340er Jahren wüteten in Österreich zahlreiche Naturkatastrophen, Erdbeben, endlose Winter, selbst Heuschreckenplagen. Die Pest, die 1348/49 die Steiermark erreichte, war dann nur noch der Tupfen auf dem i. Der Kulm galt in jener Zeit als verfluchter Berg, von dessen Gipfel aus die Hexen Unwetter auf die Menschen im Tale warfen.

Die gesellschaftliche Ordnung war streng, die Kirche dominant.

In diesem Band bewegen wir uns rund um den Kulm, von einer namentlich nicht genannten Burg (sie ist hier allseits bekannt, doch da hier Orts- und Familienname gleichlautend sind, nenne ich ihren Namen nicht... nur so viel: heute gibt es einen Zoo dort.) über die Stubenbergklamm nach dem damals schon bestehenden Puch und dann auf den Gipfel des Berges hinauf.

Die Höhle, die im Buch vorkommt, gibt es wirklich. Ein enger Gang in den Berg, bei dessen Besuch sich uns eine Fledermaus an den Rücken hängte. Gerüchteweise gab es damals eine Art Kloster auf dem Kulm, aber keiner weiß Details. Genug Spielraum für sich der Historie annähernde Fantasien...